Am Weltfrauentag in Mauretanien – ou sont les cadeaux?

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Auf der Fahrt nach Nouakchott




Es gibt so ein paar Highlights in meinem Leben. Der Tripp nach Mauretanien ist definitiv eines davon. Anlaß für die einwöchige Reise war ein Solarprojekt, das ich zu dem Zeitpunkt betreute. Der private Tripp steht noch aus, denn das Land hat mich seitdem fasziniert. Warum? Das kann ich gar nicht so genau sagen. Vermutlich die Andersartigkeit zu allem, was ich sonst so kenne. Das Interesse an der politischen und sozio-kulturellen Situation, der Rolle des Fischfangs und vieles mehr. Ja klar sind das nicht alles völlig unbelastete „easy-peacy“ Themen, aber das soll hier keine Rolle spielen. Der Genuss und die Freude, an dem was ich dort 2011 erlebte stehen im Vordergrund.

Besucherausweis

Auf einer Mission


Kofferbesteigung in Nouakchott


Flug von Frankfurt über Casablanca, mit sehr später Landung in Nouakchott. Was an sich schon ein Abenteuer war. Der Flughafen ist recht klein. Es gab zwei Enreise-Kabüffchen. Das eine war vermutlich für VIPs. Jedenfalls durften die Normalsterblichen nur über die zweite sehr lange Schlange passieren, was lange dauerte ansonsten mit meinem multiple entry Business Visum problemlos vonstatten ging. Direkt nach dem Kabüffchen steht man schon vor dem kleinen Gepäckband. Völlig überladen drehte es seine Runden. Am Ende fielen die Koffer einfach zu Boden, daher lagen auch viele Gepäckstücke drum herum. Ein alter Mann deutete mir an, dass ich meinen Koffer suchen sollte. Das bedeutete, über den Berg an Taschen und Koffern zu steigen. Alles war ziemlich staubig. Es mutete an, wie der Berg an Sauerstoff-Flaschen auf dem Everest. Was man so von Fotos kennt.

Mit Sonnenbrille und Hut in Mauretanien

Das Hütchen muss mit


Die Wüste lebt


Empfangen wurde ich mit ausgesprochener Freundlichkeit von einem ganzen Empfangskomitee und ins Hotel gebracht. Nach ein paar Terminen in Nouakchott, unter anderem beim deutschen Botschafter, ging die Fahrt weiter nach Nouadhibou, wo der eigentliche Kunde seinen Sitz hatte. Es ist eine Strecke von 450km, die man früher nur auf dem Sand am Rande des Meeres zurücklegen konnte. Mittlerweile gibt es eine Straße. Entgegen meiner Erwartung ist Wüste nicht einfach nur Sand, sondern ein durchaus vielfältiger Anblick. Sie ist von sanft gewellten, sich ständig ändernden Dünen durchzogen, speziellen Pflanzen, Strandgut – leider mittlerweile auch vom Wind verteilten Plastiktüten – natürlich Kamelen und Nomaden. Auch bei denen ist die Moderne eingezogen – viele besitzen SUVs.

Wueste in Mauretanien

Die Wueste lebt

Nomadenzelt in der Wueste

Nomadenzelt in der Wueste


Fischmarkt in Mauretanien

An einem nachmittag war neben all dem geschäftlichen noch Zeit um einen Ausflug zum Fischmarkt zu machen. Das hat mich ziemlich beeindruckt. Ob es ihn in dieser Form heute noch gibt? Die mauretanischen Fischer sind mittlerweile durch den Raubbau am Meer und dem Irrsinn des internationalen Fischfangs (oops, jetzt bin ich doch etwas politsich geworden) in ihrer Existenz bedroht.

Fischerboote auf dem Meer vor Nouadhibou

Fischfang in Mauretanien

Fischerboote in Nouadhibou

Fischerboote Mauretanien

Fischmarkt in Nouadhibou Mauretanien

Mauretanische Fischer

Fischmarkt in Nouadhibou Mauretanien

Fischmarkt in Nouadhibou

Fischmarkt in Mauretanien

Fischmarkt in Mauretanien

Be prepared


Wir hatten einen Fahrer, der in jeder Pause Tee servierte, wobei die Teegläschen auch durchaus mal die Runde machten. Da darf man jetzt nicht so empfindlich sein. Das einzige wo ich dann wirklich passen musste, war das Angebot frischer Kamelmilch. „Leute, habt ihr hier irgendwo einen Baum entdeckt, hinter den ich mich setzen könnte?“. Meine Begleiter lachten sich kaputt und nannten mich „la debutante“. Damit konnte ich alte Debütantin aber besser leben, als damit, mit meiner kleinen Packung Hakle Feucht - be prepared! - zu versuchen, irgendwo in der Wüste ein ruhiges Plätzchen zu finden. Meine persönliche Risikofreude erreicht bei Nahrungsmitteln, die mir ins Gedärm fahren könnten, ihr Limit. Das Medizinstudium lässt grüßen.

Namade mit Kamelen

No camelmilk for me  today


Nomade in Mauretanien

Nomad says hi

Wüste in Mauretanien

Staruch - welcher Strauch?

La tercier vie


In der Woche, die ich dort verbrachte habe ich sehr viel Gastfreundschaft erfahren, wurde zum ersten mal so richtig mit dem afrikanischen Verständnis des Zeitbegriffes konfrontiert – wir holen dich morgen um neun ab, ist ein seeehr dehnbarer Begriff - und konnte mich an dem ganze Neuen gar nicht sattsehen. Obwohl, es war nicht alles neu. Mauretanien ist das Land der E-Klasse Mercedes, die bekommen dort nämlich ihr „tercier vie“ nachdem sie von Deutschland, über Marokko (siehe auch Taxidriver) nach Mauretanien gelangten. 450.00km auf dem Tacho? – da geht noch was!

E-Klasse Mercedes in Mauretanien

Im Land der alten E-Klassen

Altes Auto im Verkehr von Nouakchott

Es fuhr noch - fast schon ein Wunder

Ausruhen versus Abenteuerlust

Obwohl ich mich vorab intensiv mit dem Land auseinandergesetzt hatte, war mir nicht bewusst, dass es in Mauretanien wohl zum guten Ton gehört, sich möglichst auszuruhen. Was bei den herrschenden klimatischen Bedingungen absolut nachvollziehbar ist. Die Abenteuerlust hat jedoch gesiegt, denn ich wollte so viel wie möglich sehen und alles in mich aufsaugen und dem Land auch einen gewissen Respekt zollen. Kommt man ja nicht alle Tage hin. So ist das mit den kulturellen Weltbildern. Man lernt nie aus. Der Mann im Jack Daniels Shirt war dann auch der einzige Alkohol weit und breit. Klar, muslimisches Land. So ein Feierabendbier wäre trotzdem schon nett gewesen.

The only alcohol in the village

The only alcohol in the village



Der längste Zug der Welt


Nach ein paar aufregenden Tagen, in denen ich eine Erz-Minengesellschaft besuchte, den mauretanischen Energieminister traf, eine Fischfabrik und den Hafen besuchte, ging es zurück nach Nouakchott. Schade, hätte gerne noch genug Zeit gehabt um mit dem Zug der Minengesellschaft nach Zouherate zu fahren. Ein Abenteuer, das noch auf mich wartet. Auf dem Weg zurück hielt der Fahrer plötzlich am Ende der Stadt an, zwei in mauretanische Bubus gehüllte Männer warfen ein paar Decken in den Kofferraum und stiegen ein. Ich musste spontan an „die Mumie“ denken und mir wurde etwas mulmig, da ich das alles nicht einordnen konnte. Es ist wohl so dass auf der Fahrt zwischen den beiden Städten jedes Transportmittel zu 100% genutzt wird, da es neben einem öffentlichen Bus nicht so viele Transportmöglichkeiten gibt.


Mitreisender

Mitreisender

Feiner Humor und Teepausen


Die Mitfahrer unterhielten sich meist auf Arabisch und um mich zu integrieren dann auch auf Französisch. Die Beifahrer sahen zuerst sehr ernst aus, entpuppten sich nach und nach als mit einem sehr feinen Humor gesegnet. Ein feiner Humor ist eine grenzüberschreitende Angelegenheit. Überall auf der Welt kann man mit Menschen lachen und viel Spaß haben. Zumindest ist das meine bisherige Erfahrung. Ungeachtet von Sprache, Religion, Kultur, Bildungsstand und was uns als Menschen sonst noch so ausmacht. Die mehrstündige Fahrt verging durch die gute Stimmung wie im Flug und auch diesmal für mich ohne den Genuss frischer Kamelmilch und mit Tee- und Gebetspausen.

Buntes Treiben in Nouadhibou

Markt in Nouadhibou

Shops in Mauretanien

Laeden in Mauretanien


Und wo sind die Geschenke?


Irgendwann sagte einer der Begleiter: weißt Du eigentlich, dass heute Weltfrauentag ist? Ich war die einzige Frau an Bord. Wusste ich nicht und antwortete: Ou sont les cadeaux? Wo sind meine Geschenke? Das kam so spontan, dass es mich selbst überraschte. Der Mitfahrer lachte, griff in die Tasche seines Boubous – das von Männern in der Freizeit getragene Gewand - und zog seine Gebetskette hervor, rubbelte sie ein bisschen zwischen den Händen und gab sie mir. „Ici“. Das war einer dieser Wow-Momente, die man nicht so schnell vergisst und hat mich nicht nur sehr gerührt sondern ich fühlte mich auch total geehrt. Natürlich besitze ich die Kette noch. Sie hat mich in einem Fach meiner Laptoptasche auf all meinen Reisen begleitet, als Symbol für Frieden, Freundlichkeit und Völkerverständigung in der Welt und natürlich auch für den Weltfrauentag.

Boubous muessen draussen bleiben

Boubou interdit

Forstetzung folgt!

Fahrrad am Strand in  Mauretanien

Wasser hat keine Balken





















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