Taxidriver – meine kuriosesten internationalen Taxi-Stories

with Keine Kommentare
Taxi in Casablanca

Bild: Taxi in Casablanca






Taxifahrer spielen eine ganz besondere Rolle im Leben fast jedes Reisenden. Nicht nur als oft genutztes Verkehrsmittel von und zu Flughäfen.Sondern viel mehr: oft der erste Eindruck eines Landes nach Passieren des Zolls, Tourguide, wenn sie einem von Sehenswürdigkeiten erzählen um Folgebusiness zu generieren, persönlicher Schutz in unsicheren Gegenden und manchmal auch ein bisschen Gesellschaft. Daher möchte ich ein paar der eindrücklichsten Begegnungen diesen Artikel widmen, weil fast jede Taxifahrt eine eigene Geschichte erzählt.



Der Rührendste



Den rührendsten Taxifahrer traf ich an einem kleinen Bahnhof in Rheinland Pfalz, wo ich nach dem Besuch bei einer Bekannten den letzten Zug nach Hause verpasst hatte. Das es dort überhaupt ein Taxi gab grenzte fast schon an ein Wunder. Der Fahrer war ein Typ wie ein Baumstamm, kräftig, verraucht und ein bißchen Fokuhila-Rocker. Das kann ja heiter werden. Damals stieg ich noch direkt neben den Fahrern ein und so kamen wir ins Gespräch. Über dies und das, kann mich nicht mehr genau erinnern. Im Verlaufe des Gesprächs erzählte er mir, dass er neulich eine Reportage über Herz-OPs an Föten im Mutterleib gesehen hätte. In einem Fall hätte der Fötus mit seinen kleinen Händchen den Finger des Chirurgen umklammert „so als wolle er sagen: Danke, dass Du mich gerettet hast“. Er bekam leicht feuchte Augen und auch beim Schreiben bekomme ich im Nachinein noch eine Gänsehaut vor Rührung.



Der gegerbte Reggae-Mann


Die Fahrt mit dem Reggaemann war mit Abstand die skurrilste. Nach einer Messe in Oran standen wir zu dritt am Straßenrand und wollten einfach nur zurück ins Hotel. Es kam und kam kein Taxi. Die algerischen Polizisten, die den Verkehr regelten, deuteten an sie würden das für uns regeln. Taten sie auch, in dem sie das erste Taxi, das auf der Gegenbahn vorbeifuhr aus dem Verkehr zogen. Einfach so. Das Taxischild war abgedeckt, sprich der Fahrer außer Dienst. Egal.

Oran

In Oran


Das ganze Taxi war Reggae: bunte Deko, Reggae-Beschallung (ja, es lief auch no woman no cry) bis zum bunt dekorierten und vermutlich völlig bekifften Fahrer, der gefühlt 120 Jahre alt war. Spindeldürr, gegerbte Haut, Rastazöpfe, völlig vertieft in seine Musik. Uns drei hat er nicht wirklich beachtet, wir waren irgendwie notwendiges Übel. Er machte lediglich seinen Job, in dem er wild und ungezwungen durch die Straßen fuhr. Klar, auch er wollte nach Hause. Sicherheitsgurte? Fehlanzeige! Meine Kollegin holte ihre Kamera raus und filmte von hinten. Zum Glück konnten wir uns amüsieren. Angst zu haben und nach Sicherheitsgurten zu fragen bringt in vielen Ländern der Erde nix. Naja, als Generation, die noch ohne Kindersitz aufgewachsen ist, sieht man manches diesbezüglich vermutlich etwas lockerer. Wir überlebten, zahlten und er rauschte so schnell ab, wie er gekommen war.



Der Herzlichste

In der Medina von Casablanca

Taxifahrer in Casablanca

Den wohl herzlichsten Taxifahrer traf ich in Casablanca. Ich kam von einem Termin und musste danach noch an den Bahnhof, um ein Ticket nach Rabat für den nächsten Tag zu kaufen. Es war schon dunkel. Da mein Hotel in unmittelbarer Nähe lag und ich mich sicher fühlte, war ich schon öfter im Dunklen zum Bahnhof gelaufen. Nicht so an diesem Tag. Der Fahrer bestand darauf, mich zu begleiten. Obwohl er schon längst sein Geld erhalten hatte und eigentlich hätte fahren können. Nein, das sei zu gefährlich. Er kam mit bis zum Schalter und fuhr mich danach die ca. 300 Meter zum Hotel.

Schild am Bahnhof in Rabat

Bahnhof Rabat Agdal

Als ich ein paar Tage später mit ein paar marokkanischen und französischen Geschäftsleuten durch die Medina lief, traf ich ihn zufällig wieder. Er stand Teetrinkend vor einem Gebäude und unterhielt sich mit einem anderen Mann, der vor seiner Werkstatt saß. Hey, dich kenn ich doch! Er hatte seinen freien Tag. Die Freude, sich zu treffen war beiderseitig. Völlig freudig erzählte er seinem Kumpel von unserer Geschichte und ließ sich bereitwillig fotografieren. Ich bedankte mich nochmal für seine Fürsorge. Solche Begegnungen erwärmen mein Herz und machen mir deutlich, welch große Rolle ein bisschen zwischenmenschliche Nähe und Freundlichkeit spielt. Ungeachtet von Herkunft, Sprache, Kultur und Religion.






Der Gechillteste

Minicab driver Marrakesh

Gechillter Taxifahrer


Ich traf ihn zufällig, als ich durch die Straßen Marrakeschs lief, wo ich ein paar Tage auf einem Kongress verbrachte und nach dem Wochenende zu einem weiteren Termin nach Casablanca weiterfahren würde. Ich lief so durch die Straßen, ohne wirkliches Ziel, als plötzlich ein kleiner total abgefuckter Fiat Uno neben mir hielt. Ein Minitaxi. Der Fahrer streckte den Hals so halb über die Beifahrerseite und fragte mich durchs offene Beifahrerfenster – es liess sich nicht mehr hochkurbeln - ob er mich irgendwo hinfahren solle. Nein danke, ich mag laufen. Da ich aber neben dem berühmten Djemaa el-Fna im Zentrum der Stadt noch nicht viel gesehen hatte, war ich leicht zu einer kleinen Rundfahrt zu überreden. Außerdem hatte er ein strahlendes Lächeln und wirkte charmant und lustig. Abgefuckte Taxis machen mir wie gesagt schon lange nichts mehr aus, solange der Fahrer vertrauenswürdig wirkt. Und dieser Fahrer wirkte wie gesagt total nett. Eine willkommene Abwechslung nach 5 Tagen Kongress mit meist steifen fürchterlich wichtigen Anzugträgern.


Park in Marrakesch

Pavillion de la Menara Marrakesch

Zudem war das eine gute Möglichkeit ein paar Parks und interessante Sehenswürdigkeiten außer halb zu sehen. Der kleine Ausflug war auch echt schön. Am nächsten Tag traf ich ihn an anderer Stelle zufällig wieder. Hey, steig ein. Ich hab frei und wenn Du magst fahr ich Dich zu ein paar Läden. Nach einem Laden – das höchste der Gefühle, ich hasse Shopping - und einem Restaurant, in dem man ihn gleich wieder raus komplimentierte (Marokkaner sind an vielen Touristen-Orten als auch Hotels in ihrem Land nicht gerne gesehen, Zusammenhänge, die ich noch nicht so genau verstanden habe).


Da mir dieses Verhalten nicht zusagte und der Kellner auch zu mir nicht besonders freundlich war, ging ich wieder. Zurück zum Hotel zu fahren war langweilig, außerdem freue ich mich ab und zu mal über nette Gesellschaft in Form zufälliger Begegnungen und somit fuhr ich spontan noch mit zur Werkstatt. Naiv? Vielleicht. Aber ich hatte ein gutes Gefühl und nichts Besseres zu tun und lernte so nochmal ganz andere Ecken der Stadt kennen.

Koutoubia Marrakesch

Irgendwo in Marrakesch


Weil er so nett war, wollte ich ihm auch noch Business gönnen und nach Casablanca fahren. Jaja, kein Problem. Dein Taxi schafft das aber nicht wirklich. Nein nein, ich leihe mir eines von meinem Onkel. Ok, whatever. Abgesehen davon, dass das Taxi falls hin, nie mehr die Strecke zurückgeschafft hätte, dürfen nicht alle Taxis überall fahren. Die Minitaxis fahren grundsätzlich nicht zu Flughäfen, da braucht man die typisch eierschalfarbenen und manchmal gibt es verschiedenfarbige Minitaxis (rot und blau) die sich ein Stadtgebiet aufteilen. Aber dazu später mehr). Er kam dann auch am nächsten Morgen, saß jedoch nicht am Steuer und hatte auch keine Straßenkleidern an sondern den typischen Kaftan aus grobem Gewebe mit Kapuze. Hmmmmmm. Was geht hier ab?



Die angespannteste Fahrt


Was dann folgte, war die angespannteste Fahrt, die ich je erlebte. An einer Ecke sprang er plötzlich aus dem Auto, sagte kurz tschüss und war verschwunden. Ich war kurz davor, das Ganze abzublasen, wollte aber nicht nochmal zum Bahnhof und dort nach einem Zug schauen. Also Augen zu und durch. Der Mann am Steuer, war leider ein total kauziger Typ. Klein, etwas ungepflegt und total mürrisch. Er schien nicht wirklich Lust zu haben zu fahren. Ich traute ihm nicht und fühlte mich ziemlich angespannt, schon allein wegen der negativen Überraschung. Er roch auch irgendwie unangenehm. Schweigend starrte ich aus dem Fenster. Was nicht sehr aufregend war, denn die Autobahn selbst war so gut wie leer und die Gegend drum rum jetzt auch nicht so der Hingucker. Karg und langweilig. Viel zu sehen gibt es da nicht. Schade, wär ich doch mit dem zu gefahren.

Autobahn Ausblick Marokko

Fahrt nach Casablanca


Irgendwann musste ich leider auf Toilette. Sehr unangenehm, denn ich hatte Angst, er würde mit meinem Gepäck abhauen. Die Raststätte war auf der anderen Seite der Autobahn, die über eine lange Brücke zu erreichen war. Ein ziemlicher Weg. Der Fahrer misstraute mir genauso und ihm war anzumerken, dass er Angst hatte ich würde abhauen. Nicht, dass man dort in der Einöde irgendwo hingekonnt hätte. Endlich in Casablanca angekommen, waren wir beide froh, dass diese Fahrt from hell endlich zu Ende war. Ich zahlte en vereinbarten Preis (wenigstens hier gab es keine Überraschungen), bedankte mich kurz und er düste ab. Verbucht unter: nochmal gutgegangen.

Zwischen Marrakesch und Casablanca

Autobahnbruecke in Marokko


Solche Begegnungen Fahrten dazu, angenehme Taxifahrer direkt im Handy zu speichern und sie immer wieder für Fahrten zu buchen. Oder gar weiterzuempfehlen. Das erspart Kummer und der nette Taxifahrer verdient an der Fahrt.







Der Mann mit der Lederweste – aka Swingerclubbesitzer


Ein saukalter Tag in Wiesbaden. Zu kalt für Biken, also Taxi. Meine Nase lief, kein Tempo. Mist.


„Haben Sie ein Tempo?“


„Ich ab hier alles. Was glauben Sie was die Leute so alles brauchen“.


„Das will ich jetzt gar nicht so genau wissen. Hatte grade erst ein Gespräch über Swinger Clubs. Das reicht“.


„Ich besitze einen Swinger Club“.


Es wäre gelogen zu behaupten, dass mir diese Begegnungen einfach so passieren. Eine gewisse Bereitschaft zum Aufgreifen gewisser Themen ist natürlich vorhanden. Ich hätte ja auch nicht auf seine Steilvorlage einsteigen müssen. Manchmal frage ich mich jedoch, ob andere Menschen solche Charaktere gar nicht erst treffen oder ob es einfach nur nicht zum Austausch von Informationen kommt. Wir wissen es nicht. Menschliche Abgründe faszinieren mich. Und vermutlich Millionen andere - was den Erfolg von „50 Shades of Grey“ ermöglicht.


No picture auf orangem Hintergrund

Fantasy - all your's


Es stellt sich einem hier die Frage, wieso der Gute noch Taxi fährt, wenn er angeblich schon den zweiten Club kaufen will, weil das Geschäft so gut läuft.


Als ich ihm sagte, dass ich schon den Gedanken an Raufasertapete, billige griechische Statuen aus dem Baumarkt und wildfremde Menschen in Netzhemden unerträglich finde, hat es in seinem Gesicht sehr deutlich gezuckt. Man muss jetzt nicht Paul Ekman sein um zu erraten dass es in seinem Club vermutlich genau so aussieht.


„Naja, wenn er gut l~~~~t  ist es doch egal ober er ein Netzhemd anhat. Das kann er doch auch ausziehen“. Meinte der Taxifahrer ganz nonchalant.


SCHAUDER!!! Ekel verursacht Gänsehaut, eindeutig!


SCHAUDER! SCHAUDER! SCHAUDER! SCHAUDER!


Schauder

Schauder!

Wir waren mittlerweile bei der Klinik angekommen. Er hätte noch etwas Zeit und stellte das Taxameter ab. Unter anderen Umständen wäre ich schreiend davongelaufen. Mitten in Wiesbaden konnte ja nicht viel passieren und irgendwie wirkte er harmlos. Er trug eine Lederweste und roch komisch.


Ich weiß jetzt, dass die Turbo-Swinger sich lieber ein Ferienhaus mit ihren Buddies mieten anstelle im eigenen Club zu swingen und dass es seine Hilde am liebsten mit Dieter tut.


Ich weiß jetzt, wie das mit der Eifersucht funktioniert, dass Swinger Clubs für manche der letzte Ausweg sind und es eindeutige Regeln gibt, die auch die Unerfahrensten schützen.


Er schloss das Gespräch mit: „aber ich sehe schon, so ein Club ist wirklich nichts für Sie“.


Ein kluger Mann!


Aber hey, das war mal echt ne Horizonterweiterung. Ein Freund in Bristol pflegte zu sagen: "Try it, you might like it". Aber ich bleib dann doch mal in meiner kleinen braven Welt 😉



Der sofortige Ausstieg


Dieser war in gewisser Weise das Gegenstück zum Mann mit der Lederweste. Diese Geschichte ist schnell erzählt: ich kam mit dem Zug aus Hamburg, stieg am Wiesbadener Bahnhof in das erste Taxi der Reihe. Der Taxifahrer kam vom Gespräch mit Kollegen, stieg ein, mutete sehr merkwürdig an und überhaupt nicht vertrauenswürdig. Seine ganze Körperhaltung, der Blick und die Vibes, die er versprühte. Ging gar nicht. Mit den Worten „Sorry, hab mich entschieden doch zu laufen“ stieg ich sofort wieder aus. No compromise was Intuition und Sicherheit angeht! Bin dann auch wirklich nach Hause gelaufen. Naja, hatte schließlich lang genug gesessen.

Taxi in Antananarivo

Taxi in Madagaskar



The end - Fortsetzung for sure







Deine Gedanken zu diesem Thema